Bereits aus großer Entfernung zu erkennen, markieren sie Lage und prägen die Silhouette von Städten und Dörfern wie oft kein zweites Bauwerk.
Für viele Bewohner*innen und Gemeindemitglieder ist die Kirche noch immer der zentrale Punkt eines Ortes und gerade im ländlichen Raume, neben Gasthof oder Kegelklub, nicht selten einer der letzten öffentlichen Treffs.
Die Stellung der Kirche in der Gesellschaft sowie der allgemein in Deutschland zu beobachtende demographische Wandel wirken sich jedoch spürbar auf das Gemeindeleben der Kirchen aus.
Noch nie waren die Austritte aus der Kirche so hoch wie in den letzten zehn Jahren.
Während in den 60er Jahren noch die Hälfte der ostdeutschen Bevölkerung einer Kirche angehört, sind es heute lediglich nur 20 %. In der Folge wächst die Anzahl leerstehender Kirchengebäude, für die es neue Nutzungen zu finden gilt, beständig weiter.

Eine Kunstinstallation setzt sich mit diesem Thema auseinander:
Um den Fokus auf die gegenwärtige Situation vieler Gemeinden zu lenken, bespielt die interaktive Installation „Geben & Nehmen“ für einen Zeitraum von jeweils zwei Wochen verschiedene nahezu ungenutzte Kirchengebäude in ländlichen Räumen.
„Geben & Nehmen“ sieht sich nicht als Antwortgeber, sondern vielmehr als Plattform für Dialoge und die Entwicklung von Ideen und Visionen rund um die Frage: Wie geht man mit diesem Erbe um? In einem rund 15 m² großen Wasserbecken, platziert in der Mitte des Kirchenschiffs, schwimmen unzählige kleine Putzer fische. Hier haben die Besucher*innen die Möglichkeit auf eine Fußwaschung. Auf diese einfache Weise verknüpft „Geben & Nehmen“ zwei vom Ablauf her ähnliche, aber in ihrem Hintergrund doch sehr unterschiedliche Handlungen.

Religiös:
Das gegenseitige Reinigen der Füße ist eine aus dem Orient stammende rituelle Handlung und gilt als Symbol der Gastfreundschaft. Im Neuen Testament wird diese während des letzten Abendmahls von Jesu an seinen Jüngern vollzogene Waschung als Zeichen der Nächstenliebe beschrieben.

Therapeutisch:
Die rötlichen Saugbarben, auch unter dem Namen Knabber- oder Doktor fische bekannt, wurden durch die Anwendung zu therapeutischen und kosmetischen Zwecken beim Menschen bekannt, wobei sie zum Abknabbern verhornter Hautpartien vor allem der Füße genutzt werden.
Durch die Verbindung zweier, aus verschiedenen Epochen stammender, ähnlicher Praktiken mit jeweils unterschiedlichen Hintergründen fragt das Projekt nach einem zukünftigen Umgang mit alt-bekannten Verfahren und Ritualen.
Wie und von wem können Kirchenräume zukünftig weiter genutzt werden? Wer ist dafür verantwortlich und wem ist das überhaupt wichtig? Was sind die Auswirkungen von schwindende Kirchgemeinden für das Zusammenleben in Städten und Dörfern?

Die Kirchenruine Wachau ist täglich vom 09.08.- 23.08.2019 geöffnet. Die Benutzung des
Wasserbeckens ist kostenfrei.

Idee, Projektleitung: Christian Göthner
Unterstützung: miska-furniture, 5-Sinne Fish Spa Leipzig, Aqua-Alm
Gefördert durch die Kulturstitung des Freistaates Sachsen

Kurzbeschreibung:
Geben & Nehmen
Inmitten unserer Städte, jedoch nicht selten verschlossen.
Eine Installation fragt nach Nutzungsperspektiven für Kirchenräume.